STORY: Gassigehen? Jetzt reicht es!

Theo, du glaubst es nicht, aber manchmal habe ich vom Gassigehen echt die Schnauze voll. Ich meine morgens ist das völlig OK. Da will man ja in die Gänge kommen, hat so seine kleinen und großen Geschäfte zu erledigen und vor allen Dingen müssen neue Nachrichten abgesetzt werden, damit Freund und Feind wissen, was heute so abgeht. Die Mittagsrunde geht auch noch klar. Dann sind die ersten Antworten eingegangen und für neue Markierungen bzw. Rückfragen habe ich immer was im Tank. Zur Not fülle ich an einer Pfütze oder einem Bach nach. Die Runde am Nachmittag könnte man sich fast schon schenken. Um die Zeit ist die Luft nahezu raus, auch bei den anderen Fellnasen. Da bringt mich nur noch der Gedanke auf Trab, vielleicht auf die Retrieverin zu treffen – die mit dem irren Hüftschwung. Aber auch bei der ist dann schon Hängen im Schacht. Abgesehen davon ist bei der mehr als hinten mal Schnuppern ohnehin nicht drin. Eingebildete Schnepfe. Aber Abends um 10 Uhr ist Gassigehen eine Unverschämtheit. Da liege ich bereits lang ausgestreckt auf der Decke, träume von pfotenzahmen Eichhörnchen und von in Zeitlupe daher laufenden Kaninchen und habe im Grunde schon sämtliche Lampen aus. Doch Herrchen bleibt eisern und so bleibt mir nichts anderes übrig, als mein Fell widerwillig nach draußen zu schleppen. Dann bewege ich mich demonstrativ langsam, halte alle paar Meter inne und schaue meinen Alten mit den größten braunen Augen an, die du dir vorstellen kannst. Und ob du es glaubst oder nicht, aber das zieht immer. Wenige Minuten später liege ich wieder auf der Decke!