STORY: Grillen ist was für Umstandskrämer

Theo, du glaubst es nicht, aber unsere Nachbarn nehmen an den nordrhein-westfälischen Grillmeisterschaften teil, die am kommenden Sonntag in Krefeld stattfinden. Während sich meinem Alten der vegetarische Magen umdrehte, ließ mir der Gedanke an die dort lagernden Fleischberge das Wasser im Maul zusammenlaufen.

Aber jetzt mal unter uns, Theo, verstehst du das überhaupt mit dem Grillen? Was sind die Zweibeiner für Umstandskrämer? Wenn ich das mit meinem evolutionsbedingt schlecht verdrahteten Gehirn richtig verstanden habe, wird das Fleisch erst einmal tagelang in eine Tunke aus Öl und Essig gelegt. Dann endlich am Tag X wird ein alberner Grill in den Regen gestellt und mit Holzkohle befüllt. Wenn ich unsere Nachbarn dabei beobachte, wie sie anschließend zu viert um den Grill tanzen, aufgeregt in die Kohle hecheln oder mit Zeitungen wedeln, damit sich die nötige Glut bildet, könnte ich mich bebrezeln vor Lachen. Jammerschade, dass mir die Evolution laute Heiterkeitsausbrüche verwehrt hat.

Stunden später ist es dann soweit: Die Augenbrauen sind versengt, sämtliche Türen und Fenster in der Nachbarschaft geschlossen und das Öl und Essig durchtränkte Fleisch liegt qualmend auf dem Grill. Die kleineren Stücke fielen bereits beim Auflegen durchs Rost und damit den Flammen zum Opfer. Inzwischen hat sich das komplette Rudel – bis auf den Rudelführer – am Gartentisch eingefunden und wartet frierend und durchnässt auf das, was der “Grillmeister” nach eigenen Worten “gezaubert” hat. Nachdem ihm das auf diesem Weg eingeforderte Lob ausgesprochen wurde, macht sich das Rudel – die Hände mit technischen Hilfsmitteln bestückt – über das verkohlte und blutleere Grillgut her. Arme Würstchen, denke ich da bei mir, auf so ein mageres Ergebnis habt ihr tagelang gewartet!? Die sollten uns mal ranlassen, Theo: Schnitzel kaufen, auspacken, fressen! Ohne großes Brimbamborium. Und zu Spülen gibt es anschließend auch nichts. Das nenne ich Fastfood.

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