STORY: Midlife-Crisis (Teil 3/3)

Theo, du glaubst es nicht, aber diese mentalen Stimmungsschwankungen im Herbst finde ich immer ganz furchtbar. Vor wenigen Tagen noch habe ich davon geträumt, mit flatternden Ohren im Beiwagen unserer Vespa zu fahren, heute denke ich daran, wie es wohl ist, eines Tages mit steifen Ohren beigesetzt zu werden. Soll es das gewesen sein? Werden meine Ausscheidungen und die Haare, die ich überall verteile alles sein, was ich der Nachwelt hinterlasse?

Wie ich darauf komme? Wie du inzwischen weißt, sind wir Abonnenten der Rheinischen Post und die heutige Überschrift der Rubrik “Tierwelt” (den Teil kriege ich samstags immer vom Alten) lautet: “Letzte Ruhe für das Haustier”. Erst dachte ich, es ginge um einen netten Rückzugsraum für vom lärmenden Haushalt und schimpfenden Leinenhaltern gestresste Tiere. Aber von Zeile zu Zeile wurde mir klarer, dass unserem Dasein enge Grenzen gesetzt zu sein scheinen. Bis jetzt dachte ich immer, Nacho war schon immer da – Nacho wird auch ewig seinen großen und kleinen Geschäften auf diesem Planeten nachgehen. Dem aber ist nicht so. Irgendwann geht auch bei uns das große Licht aus.

In dem Artikel heißt es weiter, dass Tiere auf speziellen Friedhöfen ihre letzte Ruhestätte finden können. Ob ich allerdings zur Ruhe käme, läge ich neben einer Katze, wage ich zu bezweifeln. Wahrscheinlich würde ich mich noch im Grab umdrehen. Eine andere Möglichkeit ist, sich verbrennen zu lassen. Die Asche kann in eine Urne gefüllt und später im Garten oder gar an meinem Lieblingsplatz verstreut werden. Das ist legal und bedarf bei uns in Düsseldorf weder einer Anmeldung bei Behörden noch einer Genehmigung.

Neu ist die Möglichkeit, einen verstorbenen Menschen und ein Tier gemeinsam in einem Grab zu bestatten. Solche so genannten Freundschafts- und Familiengräber gibt es zurzeit in Essen und in Rheinland-Pfalz.

Das sind trotz aller Möglichkeiten traurige Nachrichten, Theo, aber ich denke, auch solchen Themen muss hund sich stellen und der Monat November bietet sich da besonders an. Ich für meinen Teil weiß jetzt, dass ich die Zeit mit meinem Rudel noch intensiver und bewusster erleben möchte – soweit das mit meinem 3-Synapsen-Gehirn möglich ist. Und ich habe das Gefühl, dass dieser Artikel bei meinem Alten eine ähnliche Nachdenklichkeit ausgelöst hat.

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