STORY: Schnitzeljagd – besser: Die Jagd nach Schnitzeln

Theo, du glaubst es nicht, aber es gibt Tage, an denen ich einfach zu viel kriege, wenn ich daran denke, dass wir als Rudel in einem vegetarischen Haushalt leben. Du müsstest nur mal einen Blick in unseren Kühlschrank werfen und es würde sich dir der Magen umdrehen! Milch, Käse, Eier und jede Menge Tofu-Gedöns. Fleisch findest du dort nur, wenn sich mal eine Fliege verirrt hat und im Gemüsefach dem Kältetod erlegen ist.

Allerdings bin ich ein ehrliches Fell und gebe daher gerne zu, dass man bei mir eine rühmliche Ausnahme macht, die immerhin dazu führt, dass auf meinem Speiseplan eine große Portion Trockenfutter mit fleischlichen Anteilen steht. (Der Geruch, den ich verströme, wenn ich nach dem großen Fressen aufstoße, lässt jedoch auch auf Fischanteile schließen.) Trotzdem fände ich es sehr beruhigend, läge im Kühlschrank ein kleines Bockwürstchen oder ein fetter Suppenknochen, der im Notfall meiner harrt.

Weißt du, Theo, nun würde ich mit meinem Schicksal nur wenig hadern, wenn ich nicht auf der anderen Seite sähe, wie es anders sein könnte. So erzählte gestern der kleine Neffe vom Alten mit glänzenden Augen, dass er in den Sommerferien bei einer großen Schnitzeljagd mitgemacht hätte. Schnitzeljagd! Bei dem Wort bin ich – bis dahin höchst gelangweilt auf meiner Hundedecke liegend – wie elektrisiert hoch geschossen! Und wenn ich den kleinen Nichtsnutz richtig verstanden habe, ging es nicht nur um EIN Schnitzel. Nein, an jeder Weggabelung waren Schnitzel ausgelegt! Allein bei der Vorstellung lief mir derart das Wasser zusammen, dass ich wie ein tollwütiges Reh mit Schaum vor dem Maul ausgesehen haben muss! Zumindest ließen die verängstigten Blicke der in unserer Hütte Anwesenden darauf schließen.

Nun bin ich nicht so naiv zu glauben, dass die rührende Geschichte des kleinen, verwöhnten Balgs den Alten dazu bewegt, mit Schnitzeln um sich zu werfen. Deshalb kam mir die Idee, ob wir Fellnasen stattdessen mal selbst eine Schnitzeljagd organisieren sollten. Und da – wie ein alter chinesischer Hund gebellt haben soll – auch die größte Schnitzeljagd mit dem ersten Schritt beginnt, werde ich mit einer entsprechenden Markierung am Trafokasten starten: “Ich kümmere mich um die Jagd! Wer besorgt die Schnitzel?”


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