STORY: Achtsamkeitstraining

Theo, du glaubst es nicht, aber ich habe überhaupt kein Sättigungsgefühl mehr. Immer öfter ertappe ich mich dabei, dass ich so viel in mich reinstopfe, bis nichts mehr geht. Erst dann habe ich für wenige Minuten ein Gefühl der Zufriedenheit, bevor mich erneut der Hunger überhundet. Dazu kommt, dass ich mich antriebslos fühle, am liebsten stundenlang auf meiner verwanzten Decke liege und den lieben Gott einen guten Hund sein lasse. Mein Alter meint zwar, das alles sei normal für eine Fellnase, die in ihrem kleinen Spatzenhirn nichts anderes als drei Synapsen für fressen, schlafen und Blödsinn bloggen hat. Aber irgendwie lässt mir das keine Ruhe. Ich war doch früher nicht so, oder? Bleib mir auf diese Frage besser die Antwort schuldig, Theo!

Langes Knurren, kurzer Sinn: Ich möchte mein Leben ändern. Ich bin jetzt 4 1/2 Jahre alt und wer weiß, wie viel Zeit mir noch bleibt, meine Pfotenabdrücke auf diesem schönen Planeten zu hinterlassen. Deshalb habe ich mich zu mehr Achtsamkeit entschlossen. Darunter versteht man eine offene, akzeptierende Haltung gegenüber allem, was hund im Augenblick wahrnimmt – und das sei sehr übersichtlich, wie mein Leinenhalter immer betont.

Ich werde schon bei ganz kleinen Dingen aufmerksam bei der Sache sein. Ganz bei dem sein, was ich gerade tue. Sei es beim Fressen oder beim Entspannen auf der Hundedecke. Nur riechen, schmecken und genießen, ohne meine Gedanken an irgendetwas anderes zu verschwenden. Im Hier und Jetzt leben. Merkwürdig, Theo, aber das kommt mir trotz meines Kurzzeitgedächtnisses sehr vertraut vor. Ich denke, Achtsamkeit ist genau mein Ding.