STORY: Das geht mir am Hintern vorbei!

Theo, du glaubst es nicht, aber dieses ständige Gesülze geht mir manchmal echt auf den Driss: “Guck mal, wie süß der guckt!”. “Schau mal schnell, was er jetzt macht!”. “Ach, ist das drollig!”. Die Alten behandeln mich oft so, als wäre ich ein Welpe, der zum ersten Mal auf seinen fünf Pfoten steht und sich tastend mit tapsigen Bewegungen nach vorne bewegt. Dabei bin ich als stolzer Ratonero Bodeguero Andaluz ein gestandener Hundemann, der in der Blüte seines Lebens steht und Frau und Welpen haben könnte!

Den vorläufigen Höhepunkt dieser armseligen Gefühlsduselei erlebte ich gestern, als uns die Mutter des Alten mit ihrem Besuch beglückte. Mir kam schon fast das Trockenfutter vom Morgen hoch, als die trotz ihres hohen Alters immer noch sehr rüstige “Oma” von einer 4711-Wolke eingehüllt auf mich zugesteuert kam, um mich mit den Worten “Na, mein süßer Stropp!” und einem aufmunternden Klaps auf die Kruppe zu begrüßen. Dass ich dabei nach Luft schnappte und die Augen verdrehte, schien ihrer Begeisterung keinen Abbruch zu tun. “Richtig gut sieht er aus, unser kleiner Hundemann!” “Richtig gut” bedeutet bei ihr, dass ich nicht abgenommen, sondern eher noch an Hüftgold zugelegt habe. Und zu was “unser kleiner Hundemann” fähig wäre, sollte sie sich besser nicht ausmalen! Gerne hätte ich ihr für den blöden Spruch die Mittelkralle gezeigt, was allerdings bei nur vier nebeneinanderliegenden Vorderzehen ein unlösbares Problem darstellt.

Stattdessen erhob ich mich von meiner Hundedecke, drehte mich um 180 Grad und streckte ihr demonstrativ meinen Hintern entgegen, um auszudrücken, an welchem Körperteil mir ihre Worte vorbeigingen. “Och, jetzt wackelt er mit seinem Schwänzchen! Herrlich!” Du kannst mich mal, Alte.

“Ob er von mir ein Leckerchen nimmt?” – Was hatte sie da gesagt? Ich stellte meine Flatterohren auf, soweit das die Gesetze der Statik zulassen. “Was meint ihr? Soll ich Nacho mal was Feines geben?” Ich hatte sie also tatsächlich richtig verstanden! Ich rappelte mich hoch, um mich erneut um 180 Grad zu drehen. Seltsamerweise war die penetrante 4711-Wolke verschwunden und hatte dem unwiderstehlichen Geruch von getrockneter Rinderkopfhaut Platz gemacht, die sie mir direkt vor die Schnauze hielt. Ja, unsere Oma ist eine sehr sympathische ältere Dame, die ich mit samt ihren flotten Sprüchen vom ersten Augenblick an in mein kleines Hundeherz geschlossen habe! Richtig süß sieht sie aus, wie sie da so mit der Rinderkopfhaut steht!

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