STORY: Das undankbare Rudel

Nacho
Ich bin der erste, der ausgehfertig ist!

Theo, du glaubst es nicht, aber obwohl wir in unserem Rudel nicht immer einer Meinung sind, steht für mich eines außer Frage: Ich, Nacho, bin als Wachhund für die Sicherheit des gesamten Rudels verantwortlich! Punkt. Und diese Verantwortung nehme ich sehr ernst. Wenn wir beispielsweise auf Tour gehen, verlasse ich stets als Erster die Hütte, um mit einem prüfenden Rundumblick und hoch aufgerichtetem Riechorgan festzustellen, ob die Luft rein und alles in Ordnung ist. Erst dann gebe ich den Weg frei, woraufhin die Zweibeiner ungeschickt über mich bzw. über ihre Leine nach draußen stolpern.

Nacho
Dass mir bloß niemand ins Wasser fällt!

Da ich – einmal unterwegs – nicht weiß, in welche Richtung es geht, sichere ich nach allen Seiten, was die Länge der aus meiner Sicht völlig überflüssigen Hundeleine hergibt. Für Unbeteiligte mag das nach planlosem Ziehen und Zerren aussehen. Für mich bedeutet es jedoch, durch ein gezieltes Einschätzen der Situation in alle Himmelsrichtungen das Optimum an Sicherheit herauszuholen. Dazu gehört selbstverständlich auch die Überprüfung auf dem Boden liegender Gegenstände, was manchmal abrupte Stopps und somit ein Auflaufen des ganzen Rudels verursacht, aber Sicherheit hat bei mir nun mal oberste Priorität.

Nacho
Zurück im Haus wird nach links und rechts gesichert

Zur absoluten Höchstform laufe ich auf, sobald wir nach Hause zurückkehren. Kaum dass die Hüttentür geöffnet ist, schieße ich als erster hinein, drehe mich in der weiträumigen Diele mehrmals um meine eigene Achse, um gegenüber möglichen Einbrechern das Überraschungsmoment auf meiner Seite zu haben. Dann schleiche ich leicht geduckt mit vorgeschobenem Kopf zur offen stehenden Küchentür, während meine hochsensible Nase die Luft nach Atomen durchsiebt, die nicht zur Hütte gehören. Bin ich im Zweifel, verharre ich kurz mit einem leicht angehobenen und nach hinten abknickendem Vorderlauf, um Sekundenbruchteile später mit einem beherzten Satz in die Küche zu hechten und – war da nicht ein Geräusch? – sofort weiter durch den Fressbereich ins Wohnzimmer zu jagen. Fehlalarm. Vorsichtshalber noch die Treppe hoch ins Obergeschoss – nichts! – dann zur Kontrolle ins Dachstudio – auch nichts! Die Hütte scheint absolut clean zu sein. Jetzt aber auf direktem Weg zurück zum Rudel, das sicher noch verängstigt im Hütteneingang steht und melden, dass es nun gefahrlos eintreten kann. Das erleichterte Aufatmen und die beruhigten Gesichter der Rudelmitglieder sind mir in solchen Momenten Dank genug.

Nacho
Beim nächsten Freigang können die mich mal…

Was ist das denn? Ja gibt’s denn sowas? Die sind schon längst drin und haben sich bereits überall verteilt, während ich noch mit der Sicherheitsüberprüfung beschäftigt war. Ahnen die denn nicht, in welcher Gefahr sie hätten schweben können? Dieser gedankenlose Leichtsinn, Theo, wird sich eines Tages noch bitter rächen!

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