STORY: Der Alte hat köstliche Schweineohren!?

Theo, du glaubst es nicht, aber soll ich dir mal meinen Lieblingssnack für den kleinen Hunger zwischendurch verraten? Getrocknete Schweineohren! Obwohl in einem vegetarischen Haushalt lebend, hatte mir Frauchen die als besondere Belohnung mitgebracht. Leider weiß ich nicht mehr wofür, insofern ist dieses außergewöhnlich positive Verhalten meiner Leinenhalterin nicht beliebig reproduzierbar.

Naja, und diese köstlichen Schweineohren gehen mir seitdem nicht mehr aus dem Sinn, was bei meinem berühmt berüchtigten Kurzzeitgedächtnis eine fast schon heroische Leistung ist. Es wird sogar von Tag zu Tag schlimmer, so dass mich die Schweineohren mittlerweile auf Schritt und Tritt verfolgen. So begegnen sie mir auf jeder Gassirunde und stellen sich erst bei näherem Schnuppern als große Ahornblätter, braune Brötchentüten oder breit getretene Pferdeäpfel heraus.

Den bisherigen Höhepunkt dieser ungezügelten Leidenschaft erlebte ich auf unserer letzten Urlaubsfahrt nach Holland. Ich saß wie immer angeschnallt im Kofferraum und wie das bei längeren Autofahrten so ist, befanden sich meine drei Synapsen bereits im Standby-Modus und die Pupillen hatte ich auf unendlich gestellt. Trotzdem merkte ich plötzlich im Unterbewusstsein, wie sich zwei fette Schweineohren in mein Sichtfeld schoben. Sofort schärfte ich den Blick und, Theo, jetzt kommt es: Es handelte sich um die Ohren des Alten! Eigentlich hätte ich mit dieser Erkenntnis schon zufrieden sein können, doch hatte ich mich aus dem Stand heraus so schnell in meine Phantasie katapultiert, dass ich sie weiterhin anstarren musste. Ich merkte, wie sie sich wieder in Schweineohren verwandelten und wie mir bei ihrem Anblick das Wasser im Maul zusammenlief – ich war wie von Sinnen, Theo! Ja, ich überlegte sogar, ob ich jetzt zuschnappen oder ob ich mich noch ein paar Jährchen gedulden sollte, denn ich hatte gelesen, dass menschliche Ohren im fortschreitenden Alter immer größer werden. Gott sei Dank entschied ich mich für die zweite Alternative und merkte, wie mein gesunder Hundeverstand langsam wieder die Oberpfote gewann.

Ich saß noch lange fassungslos im Kofferraum. Bis mir ein Plakat einfiel, das ich irgendwo gesehen hatte. Auf diesem war der Kopf eines berühmten Malers oder Anstreichers abgebildet. Wenn ich mich richtig erinnere, war sein Name Vincent van Koch oder so. Und weißt du, was das Besondere an dem Porträt war? Diesem Vincent van Koch fehlte ein Ohr! Ob da ein Hund im Gegensatz zu mir  nicht schnell genug in die Realität zurückgefunden hatte?


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