STORY: Der fingierte Einbruch (Teil 1/3)

Theo, du glaubst es nicht, aber mein Leinenhalter tut sich mit seinem vorzeitigen Ruhestand doch schwer. Statt dass er ihn wie Urlaub empfindet, trauert er der Vergangenheit nach, die er nun in einem glänzenden Licht sieht. Naja, Theo, ich belle da immer: Wenn Mann sonst nichts hat!? Das alles aber nur zur Erklärung, warum ich dir in den letzten Tagen nichts gebloggt hatte; musste mich vorrangig um den Alten kümmern.

Aber auch für mich ist es eine Umstellung, den Alten den ganzen Tag am Lauf zu haben. Er meint jetzt, andere Saiten aufziehen und mich auf Vorderhund bringen zu müssen. Während ich früher nach meinem ersten Imbiss stundenlang auf der Hundedecke abhängen und den Fliegendreck an der Wand zählen konnte, heißt es jetzt, Leinen fest und ab zum Shoppen. Da stehe ich mir dann vor den Läden angebunden die Läufe in den Bauch, bis der Alte die besten Sonderangebote ermittelt und in prallen Einkaufstüten zum Ausgang geschleppt hat. Danach trotten wir hintereinander her und uns gegenseitig anschweigend nach Hause.

Während er sich anschließend dem Haushalt widmet, gehe ich seiner schlechten Laune lieber aus dem Weg und kümmere mich um die Außenanlagen. Nachdem ich geprüft habe, was gewässert und was gedüngt werden müsste, lege ich mich normalerweise hinter die dicke Hortensie im Vorgarten, um den gegen Mittag eintreffenden Briefträger mit meinem Gebell zu erschrecken. Normalerweise. Denn das, was mir an den tristen Vormittagen bisher die größte Freude verschaffte, ist ab sofort passé. Oder wie der Alte sagt: Bellen ist nicht mehr – es hat sich ausgebellt, mein Freund!

Tja, Theo, und jetzt frage ich mich natürlich, wie ich künftig meiner Aufgabe als Wachhund, der ich ja auch bin, nachkommen soll. Soll ich dem Alten mit der Pfote auf die Schulter tippen und schweigend auf den Einbrecher deuten, der sich am Fenster zu schaffen macht?

Oder soll ich ihm im Zweifel eine Notiz zuschieben:

Hast du die Terrassentür von außen aufgehebelt?
Ja/Nein (Zutreffendes bitte ankreuzen.)
Dein Nacho

Ich denke, ich werde ihm einen gehörigen Einlauf verpassen. Mein Plan ist, einen Einbruch vorzutäuschen, den ich nur deshalb nicht verhindern konnte, weil mir das Laut geben streng untersagt wurde.

(Fortsetzung folgt.)

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