STORY: Der fingierte Einbruch (Teil 3/3)

Theo, du glaubst es nicht, aber ich habe eine Nacht hinter mir, wie sie vermutlich noch kein anderer Terrier-Mix erlebt hat. Das ganze Ausmaß unseres vorgetäuschten Einbruchs ist mir erst nach und nach klar geworden und jetzt fühle ich mich hundeelend. Und das alles nur, um meinem Leinenhalter deutlich zu machen, was passieren kann, wenn man einem Hund das Bellen verbietet!

Aber nun der Reihe nach. Wie mit meiner Markierung erbeten, trafen kurz vor 4 Uhr die ersten Hunde am Trafokasten ein. Jedoch wurde sehr schnell klar, dass ich die Markierung im Überschwang mit dem falschen “Formular” abgesetzt hatte! Während ich mit der Anrede “An meine Freunde” lediglich Foster, Spiky und ein paar befreundete Hundekumpels adressieren wollte, wurden die drei Worte offenbar als uneingeschränkte Einladung verstanden. Die von mir unbeabsichtigte und lediglich einer Nachlässigkeit geschuldete Aufforderung, meine Nachricht in den sozialen Markierungsnetzen zu teilen, tat ihr Übriges, so dass sich schließlich mehrere Dutzend Hunde unter Balus (Name geändert.) Führung auf den Weg zu unserer Doppelhüttenhälfte machten.

Natürlich hatten einige unzuverlässige Fellnasen vergessen, ihre Kläff-Automatik rechtzeitig auf Standby zu stellen, so dass ich die ankommende Meute schon von Weitem hören konnte. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt dämmerte mir, dass meine Planung nicht ganz ausgefeilt war und kleinere Schwachstellen aufwies. Nur wenige Augenblicke später zwängten sich bereits die ersten Hundeleiber durch das offen stehende Kellerfenster, rannten die Kellertreppe nach oben und ergossen sich nach und nach ins Wohnzimmer. Um unkenntlich zu bleiben, wurde von den von mir bereit gelegten Strumpfmasken reichlich Gebrauch gemacht. Jedoch zeigte sich sehr schnell ein weiterer Planungsfehler: Die als Strumpfmasken verwendeten Socken des Alten waren im Gegensatz zu den üblicherweise bei solchen Anlässen zum Einsatz kommenden Nylonstrümpfen nahezu blickdicht. Daher kam es im Wohnzimmer innerhalb kürzester Zeit zu einer unglücklichen Gemengelage, die zu einer aufgeheizten, fast schon explosiven Stimmung führte. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich in unserer Hütte bereits gut und gerne an die 100 Fellnasen auf, von denen einige stark angetrunken schienen und offensichtlich auf reine Randale aus waren. Ich persönlich halte diese Zahl zwar für maßlos übertrieben, wenngleich sie im Polizeibericht so vermerkt wurde.

Der von mir erteilte Auftrag, das Ganze nach einem Einbruch aussehen zu lassen, kann als mehr als erfüllt angesehen werden. Zwar wurden nur wenige Schubläden aus den Schränken gerissen und ausgekippt – dazu sahen die Jungs aufgrund der Sockenmasken einfach zu wenig -, aber was ansonsten umgestoßen oder zerbrochen wurde, hätte kaum einen anderen Schluss zugelassen. Hätte… Wenn nicht im größten Tohuwabohu der Alte aufgetaucht wäre. Geweckt durch den infernalischen Lärm stand er plötzlich nur im Pyjama gekleidet fassungslos und zur Salzsäule erstarrt im Treppenhaus. Mir blieb nur noch ein “Raus! Alles raus hier!” zu bellen, bevor die Hundemeute losstob und sich über die Kellertreppe nach unten ergoss; angeführt von Emma, die zwar verbotswidrig als einziges Weibchen dabei war, zugegebenermaßen aber auch als einzige noch den nötigen Durchblick bewahrte.

Es hatte sich gerade die letzte Dogge durch das enge Kellerfenster ins Freie gequetscht, als es an der Haustür klingelte. Nachdem der Alte geöffnet hatte, stellten sich zwei Polizeibeamte vor, die von der aufgrund des Krachs besorgten Nachbarn informiert worden waren. Die Anzeige wegen Lärmbelästigung war schnell aufgenommen. Es wird länger dauern, den entstandenen Schäden für die Versicherung aufzulisten, wobei sich für den Alten sofort die Frage stellte, wie sich diese zu dem geöffneten Kellerfenster stellt.

Tja, Theo, so ist die Lage. Dass ICH hinter der ganzen Kiste steckte, weiß der Alte noch gar nicht. Er ahnt es nur, nachdem ich als letzter Hund übrig geblieben war und mich mit gesenktem Schweif zur Hunddecke geschleppt hatte. Darüber hinaus machte mich die durchs dünne Sommerfell schimmernde Schamesröte zum Hauptverdächtigen. Ob ich bei diesem fingierten Einbruch gebellt oder nicht gebellt habe, wird für den Alten nun keine große Rolle mehr spielen, aber das habe ich mir wohl selbst eingebrockt…

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