STORY: Der Gebraucht-Taschentuchhandel

Nacho
Ich ruhe, also bin ich

Theo, du glaubst es nicht, aber nach fast zwei Jahren harter und konsequenter Erziehungsarbeit habe ich es endlich geschafft, dass ich von meinem Leinenhalter für das Unterlassen von Taten geradezu fürstlich entlohnt werde! Beispiel gefällig? Du weißt doch, wie gerne ich die weißen Papiertaschentücher fresse, die sich zu jeder Jahreszeit in freier Wildbahn tummeln. Als besondere Delikatesse haben sich dabei die mehrfach benutzten und infolgedessen besonders saftigen Lappen erwiesen.

Taschentuch
Offensichtlich sauber – Nur ein Leckerchen 🙁

Dem Alten passte meine fast schon Sucht zu nennende Vorliebe noch nie und daher quittierte er jeden erfolgreichen Fund mit einem durchdringenden “HEY! NEIN!”. Da ich anfangs nicht begriff, welches Tun zu unterlassen war, erhielt ich vom Alten ein Leckerchen, sobald ich mal irrtümlich oder vor Schreck den feuchten Fund fallen ließ. Nachdem mir aber erst einmal klar war, was den Alten ritt, gelang es mir schnell, den “Preis” für den Austausch nachzujustieren. So gab es weiterhin zwar nur ein Leckerchen, wenn ich ein offensichtlich unbenutztes Taschentuch links liegen ließ, aber zwei Leckerchen, wenn es nur einmal gebraucht war und sogar bis zu fünf Leckerchen, wenn es sich als ausgesprochen vielfältig und häufig verwendet erwies.

Anschließend erweiterte ich mein Tätigkeitsfeld und machte so aus jedem langweiligen Spaziergang eine Tour der Gaumenfreuden. Ich griff nicht mehr nur Taschentücher auf, sondern steuerte ebenso Pferdeäpfel an und Dinge, die du gar nicht wissen möchtest. Alles in der Absicht, im Austausch gegen Leckerchen eine gute Quote zu erzielen.

Taschentuch
Kategorie “Benutzt, aber nicht saftig” – Zwei Leckerchen 🙂

Frei nach dem Motto, dass es nichts gibt, was sich nicht noch verbessern ließe, bin ich nun auf der Suche nach Möglichkeiten, den “Preis” weiter nach oben zu schrauben. Absoluter Favorit scheint mir derzeit das vorgetäuschte Fressen von Plastiktüten zu sein, das in einem Erstickungsanfall gipfelt. Schon beim ersten Versuch griff der Alte vor Verzweiflung tief in die Taschen, um mich mit einer ganzen handvoll Leckerchen von meinem Tun abzubringen. Schade ist nur, dass Plastiktüten nach und nach von Papiertüten verdrängt werden, was über kurz oder lang sicher negative Auswirkungen auf den zwischen mir und dem Alten ausgehandelten Preis hat.