STORY: Der Hundeführerschein

Nacho
Ich kriege bald einen Führerschein!

Theo, du glaubst es nicht, aber es scheint tatsächlich Führerscheine für Hunde zu geben! Du weißt doch, wie gerne ich Auto fahre. Ein großer Nachteil war jedoch immer schon meine Fremdbestimmtheit. Diese hat oft zur Folge, dass ich mich nach kurzer Fahrt nicht wie erhofft in den weitläufigen Rheinauen oder in den fruchtbaren Ebenen Andalusiens, sondern auf dem riesigen Parkplatz unseres Discounters wiederfinde. Dort darf ich dann im Auto warten, bis der Alte den Einkauf erledigt hat und ich mir den Platz hinter der Heckklappe mit Toilettenpapier, H-Milch und umherrutschenden Wasserkisten teilen muss. Mit einem Führerschein wäre ich in dieser Beziehung mein eigener Hund!

Wie ich davon erfahren habe? Unsere Nachbarn sind ebenfalls auf den Hund gekommen. Und weil bei ihnen immer alles größer und teurer sein muss, haben sie sich einen Riesenschnauzer angeschafft. “Für dieses Geschoss verlangt die Stadt bestimmt einen Hundeführerschein”, meinte der Alte, “wenn nicht sogar einen Waffenschein!”. Da ich noch jung bin und meine Jagd auf Eichhörnchen, Hasen und Katzen in reiner Pfotenarbeit erledige, ist der Waffenschein entbehrlich, aber so ein Hundeführerschein wäre ganz nach meinem Geschmack.

Natürlich muss ich mich noch mit den Bedienelementen vertraut machen

Wie oft habe ich schon davon geträumt, an Stelle des Alten hinter dem Steuer zu sitzen und den Wagen geschickt und wieselflink zur nächsten Fressnapf-Filiale zu lenken? Oder Lauf in Lauf mit einer heißen Hündin über die Königsallee zu cruisen? Einige Male ist es mir sogar schon gelungen, den Fahrersitz als Erster zu entern, doch ein energisches “Raus” und ein ebenso energischer Zug am Halsband schafften bisher stets eine neue Faktenlage, die sicherlich dem Fehlen eines Hundeführerscheins geschuldet war. In der Beziehung ist der Alte korrekt – Beamter halt.

Nun gilt es nur noch, unser Rudel von der Notwendigkeit einer entsprechenden Fahrerlaubnis zu überzeugen. Das wird kein leichtes Spiel, aber die Zeit arbeitet für mich. Schließlich werden meine Leinenhalter auch nicht jünger und vielleicht werden sie eines Tages noch froh und dankbar sein, wenn ich sie als erfahrener Wagenlenker zur Altentagesstätte oder zum Orthopäden chauffiere.


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