STORY: Der Waldspaziergang (Teil 2/2)

Theo, du glaubst es nicht, aber der Besuch des Hundehorts war aus meiner Sicht ein Schuss in die Hütte. Das, was die anbieten, ist zwar sehr reizvoll und abwechslungsreich, aber was mich störte, waren die anderen Fellnasen. Da gab es furchtbar arrogante Windhunde, die sich in dicken Wagen vorfahren ließen und sich wer weiß was darauf einbildeten, dass sich ihre Leinenhalter die nicht unerheblichen Kosten eines Hundehorts leisten können. Dann sprangen dort einige Mischlinge herum, deren penetrante Ungezogenheit auf alleinerziehende und völlig überforderte Leinenhalter schließen ließ. Nervig auch dieses Kleingemüse, das permanent damit beschäftigt war, ständig wechselnde Reviere gegen alles und jeden zu verteidigen. Endgültig das Wasser auf hatte ich, als ich den dämlichen Dackel aus unserer Nachbarschaft erkannte, der mich mit den Worten “Das gibt’s doch gar nicht: Jetzt dürfen hier sogar Hunde mit Migrationshintergrund rein!” anbellte.

Der im Laufe des Tages angesetzte Waldspaziergang war für mich auch ein Fiasko. Rechts von der sehr engagierten Leinenhalterin hatte sich ein buntes Trüppchen erfahrener Haudegen zusammengefunden, das permanent gegen die Neulinge auf der linken Seite anstänkerte. “Mit denen fresse ich nicht aus einem Napf!”, “Einer von den Neuen stinkt!” und “Hunde mit Migrationshintergrund raus!” zählten noch zu den harmlosen Äußerungen. Einige Fellnasen machte sich auch das Leben gegenseitig schwer, indem sie anderen ihre Läufe in den Weg stellten oder einfach mal zuschnappten, was von den mit snobistischer Gelassenheit dahin schreitenden Windhunden herablassend mit “Pack schlägt sich, Pack verträgt sich!” kommentiert wurde. Zwischendurch weigerten sich ein paar Aufständische weiterzugehen, bevor nicht eine Runde Leckerchen verteilt wurde, während die Welpen massiv Druck machten, um schnell zum Hort zurückkehren und dort weiterspielen zu können.

Es ist also nicht einfach, so viele verschiedene Hundecharaktere unter einen Napf zu bringen. Da lobe ich mir doch die Gassirunde mit dem Alten: Bei der stehe ich allein im Mittelpunkt, kann weitgehend den Streckenverlauf und die Ruhepausen bestimmen und werde für jedes “Komm”-Befolgen mit einem fetten Leckerchen belohnt – und die Fellnasen, mit denen ich unterwegs spielen möchte, suche ich mir selbst aus!


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