STORY: Die Erdnussallergie

Theo, du glaubst es nicht, aber das Zusammenleben von Hund und Mensch ist von vielen Missverständnissen geprägt. So unterstellt man mir, dass ich immer nur ans Fressen denke. Selbstverständlich knacke ich gerne mal ein getrocknetes Schweineohr und ich spucke auch nicht in einen gefüllten Napf. Doch mir deshalb das Etikett vom Fass ohne Boden anzuheften, verdreht die Tatsachen. Was mir besonders bitter aufstößt, ist, wenn in diesem Zusammenhang gleich noch rührende Fürsorge mit nervigem Betteln verwechselt wird.

Ich sitze beispielsweise bei den Mahlzeiten gerne unter dem Küchentisch. Aber keinesfalls um zu betteln. Vielmehr bemühe ich mich um die Einhaltung von Mindesthygienestandards, indem ich heruntergefallene Brötchenkrümel und andere Essensreste sofort beseitige, denn nur absolute Sauberkeit garantiert, dass sich Ameisen, Käfer und andere Schädlinge nicht in der Hütte breit machen.

Wird die Spülmaschine eingeräumt, schlecke ich gerne mal über den ein oder anderen Teller. Auf Unbedarfte mag das gierig und verfressen wirken. Eingeweihte hingegen wissen, dass ich mit dieser Maßnahme für einen geringeren Wasserverbrauch sorge und so zu einer spürbaren Entlastung des Haushaltsbudgets beitrage. Was kann ich dafür, dass sich noch kein anderes Rudelmitglied einweihen ließ?

Oder nimm den gestrigen Abend. Das Rudel entspannte vor dem Fernseher, als der Leinenhalter einen Teller mit Erdnüssen füllte. Natürlich brachte ich mich sofort in Position, was den Alten prompt zu einem missbilligenden Kopfschütteln veranlasste. Dabei ging es mir nur darum, das Rudel im Blick zu haben. Reagiert einer allergisch, ist sofortige Hilfe erforderlich. Schon kleinste Mengen dieses Nahrungsmittels können schwere Schockreaktionen auslösen, bis hin zu Atemnot und Kreislaufversagen. Was in diesem Fall zu tun wäre, weiß ich zwar nicht, aber ich glaube, im Ernstfall reagiert hund instinktiv richtig. Und sollte tatsächlich eine Erdnuss für mich abfallen, nehme ich das selbstverständlich nicht übel, reduziert sich dadurch doch das Gefährdungspotenzial für die anderen Mitglieder unseres Rudels.

Du siehst, Theo, dass ein Missverständnis das andere jagt! Manchmal frustriert mich das so sehr, dass ich mich tatsächlich bei dem Gedanken ertappe, meine Fürsorge komplett einzustellen und stattdessen nur noch auf der Hundedecke zu liegen und ans Fressen zu denken…


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