STORY: Die Millionen-Erbschaft (Teil 3/3)

Theo, du glaubst es nicht, aber ich habe das Gefühl, dass man mich übers Ohr gehauen hat. Dabei sah anfangs alles so gut aus. Nachdem ich Onkel Diegos Nachlassverwalter die geforderten 5.000 Euro überwiesen hatte, gingen die Bergungsarbeiten nach seiner Auskunft zügig voran. Mein Traum, in 12.500.000 Rinderknochen baden zu können, schien zum Greifen nach. Bis – ja, bis aus heiterem Himmel der Kontakt zum Nachlassverwalter abriss. Ich schrieb ihm noch drei E-Mails, in denen ich darauf hinwies, dass ich alle seine Forderungen erfüllt hatte, doch er rührte sich nicht mehr.

Davon abgesehen mehren sich auch die Zeichen, dass es in unserer Familie überhaupt keinen Onkel Diego gab. Zwar hatte meine Großmutter väterlicherseits hin und wieder von einem Diego geredet, doch stellte sich heraus, dass sie im hohen Alter erblindet war und ihren so angesprochenen Sohn mit Diego, einem Hund aus der Nachbarschaft, verwechselte.

Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie ich mich fühle, Theo. Ich, ein stolzer Ratonero Bodeguero Andaluz mit Migrationshintergrund, habe auf ganzer Linie versagt und bin wohl einem Riesenschwindel aufgesessen. Wenn mein Alter das erfährt, macht er mir vor Wut die Lampe aus. Er hat ja noch nicht einmal die 3.000 Euro verkraftet, die ich als Anzahlung für den Nachlassverwalter aus seiner Schatulle nehmen musste. Dass ich aber insgesamt 5.000 Euro in den andalusischen Sand gesetzt habe, wird ihn so in Rage bringen, dass mir anschließend die Luft zum Atmen fehlt. Dann Nacht Mattes.

Was mache ich nur, was mache ich nur? Odie, ein toller Hundekumpel aus Süddeutschland, riet mir, mich in einem Restaurant als Tellerabschlecker zu bewerben, um auf diesem Weg die 5.000 Euro wieder reinzuholen. Ich befürchte nur, dass mein Leinenhalter nicht bereit ist, die hierfür erforderliche Geduld aufzubringen. Ich habe nämlich überhaupt keine Ahnung, wie die Arbeitsmarktlage in diesem Bereich aktuell aussieht. Außerdem befürchte ich, dass es mit zwei, drei Arbeitstagen nicht getan ist.

Doch ich wäre nicht Nacho, würde mich mein sprichwörtliches Glück verlassen! Denn heute Morgen erreichte mich eine E-Mail folgenden Inhalts:

Ex Manager packt aus und veröffentlicht sensible Bankgeheimnisse! Mit diesen Geheimnissen verdienen Banken Millionen! Sie können damit auch heute noch täglich 758,98 Euro verdienen!

Ist das nicht der helle Wahnsinn? Und ich muss noch nicht einmal etwas tun! Während ich auf meiner Hundedecke abhänge, steppt irgendwo der DAX-Bulle und lässt den Rubel für mich rollen!

Ich muss jetzt schnell zum Schluss kommen, Theo, denn die E-Mail endet mit dem freundlichen Hinweis, dass aufgrund der riesigen Nachfrage nur noch 15 Plätze zu vergeben sind!

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