STORY: Fleckentferner gesucht – Beginn einer Lebenskrise (Teil 1/2)

Theo, du glaubst es nicht, aber ich fühle mich überhaupt nicht mehr wohl in meinem Fell. Ständig werde ich angestarrt und der ein oder andere Hund hat bestimmt schon hinter vorgehaltener Pfote über mich gelacht. Wie ich darauf komme, willst du wissen? Weil mir ein paar unbekannte Hunde hinterhergebellt haben, dass man bzw. hund so einen großen, schwarzen Fleck, wie ich ihn auf meinem Rücken trage, schon lange nicht mehr hat. Dieser Look sei so etwas von überholt und old-fashioned, dass einige sogar meinten, es gehöre schon eine Portion Mut dazu, sich in diesem Styling in die Öffentlichkeit zu trauen. Vor 15 Jahren, als die 101 Dalmatiner die Kinokassen klingeln ließen, sei das etwas ganz anderes gewesen; da vermehrten sich diese schwarz getupften Fellnasen wie die Karnickel. Nun wäre ich der letzte Vertreter dieser inzwischen untergegangen Art und mit nur einem Fleck dazu noch ein ganz schlechter.

Was soll ich bloß tun, Theo? Soll ich den Fleck weiß einfärben, damit er nicht mehr auffällt? Oder mir ein helles Kunstfell einsetzen lassen? Was hältst du von der Idee, weiße Streifen aufzumalen? Damit könnte ich gleich zwei Zecken mit einer Klatsche erschlagen: Das Schwarz träte dezent in den Hintergrund und gleichzeitig würden Längsstreifen mich schlanker machen. An Entfärber habe ich auch schon gedacht – befürchte aber, dass der Fleck rötlich schimmern könnte, wenn sich meine empfindliche Haut entzündet. Dann gäbe es noch die Möglichkeit, in eine Hundejacke zu schlüpfen, um den Flecken elegant zu kaschieren. Aber so richtig glücklich macht mich das alles nicht.

Deshalb habe ich mir überlegt, mich an einen dieser Kummerkästen zu wenden, wie sie in vielen Zeitschriften angeboten werden. Da sind Fachleute am Werk, die sich mit allen Problemen und Lebenslagen bestens auskennen und für jede noch so peinliche Frage die passende Antwort haben. Vielleicht denkst du, dass ich mit meinen Sorgen eine verdammt große Nummer abziehe. Aber ich belle dir, Theo, wenn ich mich jetzt nicht ernsthaft darum kümmere, kann sich das zu einer echten Lebenskrise auswachsen.

(Fortsetzung folgt.)


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