STORY: Frischfleisch beim Nachbarn

Theo, du glaubst es nicht, aber heute Morgen drehte ich wie gewohnt eine Runde durch den Garten, als mir plötzlich der frische Duft exotischer Kleintiere durchs Riechorgan wehte. Es war erst gar nicht so einfach, eine exakte Witterung aufzunehmen, weil böiger Wind die Moleküle nahezu pulverisierte. Dann aber brach sich die Spur ihre Bahn wie Sonnenstrahlen am aufreißenden Himmel: Die Kinder unserer Nachbarn hatten ihre knackigen Meerschweinchen nach Draußen getragen! Da saßen sie nun in ihrem Freiluftgehege, balgten sichtbar vergnügt miteinander und rannten munter umher. Das Ganze spielte sich keine zwei Meter von mir entfernt ab und doch waren die Paradiesäpfel unerreichbar für mich. Nicht nur das Gehege stellte ein Hindernis dar, auch den Zaun zum Nachbargrundstück musste ich als unüberwindbare Hürde erkennen. Von daher blieb mir nur, die lebende Beute im Blick zu halten und auf ein Wunder zu hoffen.

Doch obwohl ich über eine halbe Stunde unbeweglich am Zaun abhing und das saftige Frischfleisch fixierte, blieb das Wunder aus. Jetzt bleibt mir nur noch die Hoffnung, dass die netten Nachbarn mein Verhalten anders interpretiert haben. Vielleicht denken sie, dass ich ein guter und zuverlässiger Schutz- und Hütehund bin und auf die kleinen Saftbraten aufpassen könnte. Oh ja, ich würde sie gegen den hier oft kreisenden Mäusebussard verteidigen – bis aufs Blut!


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