STORY: Highway to Hell

Theo, du glaubst es nicht, aber gestern Nachmittag ist mir etwas Unglaubliches passiert! Herrchen und Frauchen planten eine Tour mit dem Auto und ich durfte sie mit meiner Anwesenheit erfreuen. Nachdem der Alte unsere verbeulte Fließhecklimousine geöffnet hatte, sprang ich mit einem eleganten Satz auf meinen angestammten Platz im Kofferraum. Doch bevor ich mich dort auf der Auslegeware gemütlich ausbreite, ist es meine Pflicht zu beobachten, in welche Richtung es uns nach dem Verlassen der Hofeinfahrt verschlägt. Schließlich muss ich auch auf Touren wie diesen meinen Aufgaben als Wachhund nachkommen und für den Schutz des Rudels sorgen. Fahren wir links rum, ist alles in Ordnung und ich strecke mich gemütlich auf der Decke aus. Dreht der Alte hingegen nach rechts ab, ist das letztendlich genauso okay und ich lasse mich nicht weniger zufrieden nieder. So auch dieses Mal. Keine zehn Sekunden später hatte ich diese Welt gedanklich verlassen und schleppte mein Übergangsfell durch einen schönen Traum, in dem ich frei und unkastriert war.

Ich schätze, dass wir bereits eine gute Stunde unterwegs waren, als ich langsam in die Realität zurückdämmerte. Der Magen knurrte und meine innere Uhr verriet mir, dass die Zeit für den nächsten kleinen Appetithappen schon lange verstrichen sein musste. Also rappelte ich mich hoch, um die Alten höflich aber bestimmt darauf hinzuweisen. Als ich jedoch auf allen Vieren stand und meinen Blick nach vorne richtete, war ich wie vom Donner gerührt:

Weder saß Frauchen wie gewohnt hinter dem Lenkrad, noch saß der Alte neben ihr, um sich von ihr kutschieren zu lassen. Als wäre der Wagen auf Autopilot gestellt, raste ich allein im Kofferraum stehend über die Autobahn! Obwohl wir Hunde am Körper selbst keine entsprechenden Drüsen besitzen, stand mir der kalte Schweiß auf der flach abfallenden Stirn. Ich war wie gelähmt, Theo! Was sollte ich auch tun? Selbst wenn ich auf den Fahrersitz hätte klettern können, wären meinen kurzen Läufen weder an das Bremspedal gekommen noch hätte ich die nötige Kraft gehabt, um die Pfotenbremse anzuziehen. Also schoss ich weiter mit zittrigen Beinen im Kofferraum stehend über die A46 Richtung Barcelona, wie ich auf einer der blauen, vorüberhuschenden Hinweistafeln erkennen konnte.

Ich hätte schreien können vor Angst! Ich weiß, Hunde können nur bellen, aber zum ersten Mal in meinem Leben wäre ich zu einer anderen Lautäußerung fähig gewesen. Plötzlich begann auch noch der Wagen zu bocken und zu schaukeln, so dass ich mich hin- und hergeworfen fühlte, bis ich, ja, Theo, und jetzt kommt’s: Bis ich in Herrchens Augen blickte, der sich besorgt zu mir herunterbeugte, um mich aus meinem Alptraum zu wecken, in den ich auf meiner Hundedecke abgedriftet war! Noch nie war mir der Alte so sympathisch wie in diesem Moment. Ich hätte ihm vor Dankbarkeit am Liebsten die Pfoten geküsst!

Die ganze Geschichte hat mich dermaßen mitgenommen, dass ich mir schwor, nie mehr komplett einzunicken. Ähnlich wie die Wale es schaffen, abwechselnd nur mit der linken oder rechten Hirnhälfte zu schlafen und gleichzeitig mit der anderen Hirnhälfte zu wachen, werde ich versuchen das künftig mit meinen drei Synapsen zu managen: Während zwei Synapsen schlafen, überwacht die dritte das Umfeld und hält unser Rudel im Blick! Über den Erfolg werde ich dir gelegentlich berichten.


Hat dir der Artikel gefallen, freue ich mich, wenn du ihn teilst: