STORY: Hortensien und Dosenfleisch

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Nacho
Vom Rudel ausgestoßen

Theo, du glaubst es nicht, aber es gibt Tage, an denen ich mich am liebsten in Luft auflösen würde. Tage, die mir sowas von peinlich sind, dass ich mich nur noch in eine dunkle Ecke verkriechen möchte, um bloß nicht unseren Rudelmitgliedern unter die Augen treten zu müssen. Tage, an denen mir sogar die Lust am Fressen vergeht und an denen ich begreife, was es heißt, sich hundeelend zu fühlen. Solche Tage durchlebe ich derzeit und ich zermartere mir pausenlos meine zwei Synapsen, wie ich aus der Nummer wieder herauskommen soll. Doch nun von Anfang an:

Das ganze Drama erwuchs aus einer Art Langeweile, wie ich sie oft verspüre, wenn ich auf der morgendlichen Gassirunde alle großen und kleine Geschäfte erledigt, anschließend den Napf geleert und dir den aktuellen Klatsch und Tratsch aus der Hundewelt gebloggt habe. Ich ließ also die Vorderpfoten gedankenlos über die Notebook-Tastatur wandern und ehe ich mich versah, war ich in der Tierfutterabteilung (Sparte Nassfutter) des Versandhändlers Amazon gelandet.

Dosenfleisch
24 Dosen saftiges “Rinti Kennerfleisch”

Was soll ich bellen? Ich sah saftiges “Rinti Kennerfleisch”, als es mich plötzlich überhundete. Meine rechte Pfote geriet außer Kontrolle und schon landete das sogenannte Multipack – bestehend aus 24 Dosen – im virtuellen Einkaufswagen. Praktischerweise sind sämtliche Zugangsdaten des Alten im Browser gespeichert, so dass keine weiteren Angaben erforderlich waren. Lediglich dem Zustellungsort verpasste ich eine kleine Änderung, indem ich Straße und Hausnummer um den Hinweis “Bitte hinter der dicken Hortensie im Vorgarten ablegen” ergänzte, weil ich es für besser hielt, wenn die ganze Aktion spurlos am Alten vorbeiginge.

Hortensie
Dahinter hätte der Alte das Paket nie entdeckt

Aber ich hatte die Rechnung ohne den dienstbeflissenen Paketboten gemacht. Dieser klingelte am Tag der Lieferung und fragte den zufällig öffnenden Rudelführer, ob er künftig alle Pakete im Vorgarten deponieren soll – verbunden mit dem Hinweis, dass dies eigentlich nicht zulässig sei. Ich blieb vorsichtshalber diskret im Hintergrund, biss mir vor Verzweiflung in die Pfote und versuchte, den Paketboten durch energisches Kopfschütteln davon abzuhalten, das peinliche Frage- und Antwortspiel weiter fortzuführen. Doch mein Alter starrte den Paketboten so fassungslos an, dass diesem zugegebenermaßen nichts anderes übrig blieb, als auf meinen eindeutigen Hortensien-Zusatz hinzuweisen.

Zurück im Haus öffnete der Alte unverzüglich das Paket und nach einer kurzen Nachfrage, welches Familienmitglied die Bestellung von 24 Dosen “Rinti Kennerfleisch” aufgegeben hat, richteten sich vier fassungslose Augenpaare auf ein kleines Bündel Hund. Wenn man als Hund das Pech hat, in einem vegetarischen Haushalt zu leben, zeichnet sich fast schon zwangsläufig nur dieser als echter “Fleischkenner” aus! Kopfschüttelnd und nachdenklich wandte sich der Alte ab und brummelte so etwas wie “Der Fellträger kann es ja nicht gewesen sein” in seinen an diesem Nachmittag noch stärker ergrauten Bart.

Wie ich bezahlt habe? Mit der Kreditkarte, die von Amazon kostenlos angeboten wird. Dafür gab es sogar eine Gutschrift in Höhe von 30 EUR, so dass dem Alten nach Abzug der Kosten 6 EUR für die eigene Tasche blieben. Dummerweise habe ich das Ganze noch im Abonnement bestellt, so dass wir alle 14 Tage 24 Dosen “Rinti Kennerfleisch” erhalten. Ich dachte, dass es ein gutes Geschäft für den Alten sei, mit jeder Bestellung 6 EUR zu verdienen. Doch seine ungehaltene Reaktion legt nahe, dass es an meiner positiven Betrachtungsweise einen Haken geben muss und so wie ich die Stimmung zurzeit in unserer Hütte erlebe, werde ich noch viel Zeit haben, um diesen Haken aufzuspüren…


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