STORY: Ich, Nacho, das Tier des Jahres 2018!

Haselmaus
Die Haselmaus – das Wildtier des Jahres 2017

Theo, du glaubst es nicht, aber die Haselmaus ist das Wildtier des Jahres 2017! Für uns Jäger ist das endlich mal eine gute Nachricht. Ist doch davon auszugehen, dass die kleinen, scheuen Gesellen mit ihren braunen Knopfaugen unter besonderen Schutz gestellt werden und sie sich infolgedessen so vermehren, dass sie bald überall auf der Speisekarte stehen. Ich persönlich halte zwar Eichhörnchen für wesentlich schmackhafter, aber zum einen ist es sehr schwer, die flinken Baumfüchse zu erwischen. Zum anderen eignen sich die nur pfotengroßen Haselmäuse besser für den kleinen Hunger zwischendurch.

Nacho: Germanys Next Topmodel 2018

Was ich mich im Zusammenhang mit diesem Germanys Next Topmodel frage, ist, wie so ein kleines, mickriges Fellknäuel überhaupt zum Tier des Jahres gewählt werden konnte? Wirklich beeindruckend sieht die Haselmaus ja nun nicht aus und was ihren Verstand betrifft, scheint sie bei der Verteilung auch nicht laut “hier!” gerufen zu haben. Da schlage ich mich mit meinen zwei gut durchbluteten Synapsen doch um Längen besser, denke ich. Und wenn ich im Spiegel oder auf einer Radkappe meinen drahtigen Körper sehe – die von andalusischem Stolz geschwellte Brust, den scharf geschnittenen Kopf mit den hellwachen Augen, die noch die feinsten Moleküle durchsiebende Nase mit den tastenden Barthaaren, die fünf langen, Raum greifenden Läufe und die furchtlos aufgerichtete Rute – dann frage ich mich, warum ich, Nacho, noch nie zum Tier des Jahres gewählt wurde?

Das könnte mir zweifellos gefallen, wird den jährlichen Preisträgern doch eine besondere Huldigung und Fürsorge zuteil. Statt 18 bis 20 Stunden täglich könnte ich locker 7 x 24 Stunden auf meiner Hundedecke abhängen. Lediglich unterbrochen von pfotenwarmen Güllebädern, in denen ich mich wohlig ausstrecken darf und mir von jungen Hundedamen in knappen Sommerfellen diverse Leckerchen zustecken und meine zu lang gewachsenen Zehennägel abnagen lassen kann. Im Sommer würde mir der Alte mit getrockneten Schweineohren kühle Luft zufächeln und im Winter könnten von Frauchen gestrickte Pulswärmer meine schlanken Fesseln umspielen.  Zu Fressen gäbe es in Hülle und Fülle: frisch, getrocknet oder auf Wunsch auch gebarft. Die Frage, ob es ein Hundeleben nach dem Tod gibt, wäre für mich obsolet – das Paradies würde schon auf der Erde anbrechen!


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