STORY: Katzenjammer (Teil 3/3)

“WAHRTET NUHR AP – EINES TAHGES KRIGEN WIR EUCH ALLE!!”

Theo, du glaubst es nicht, aber es hat sich alles aufgeklärt. Wir wissen, wer hinter dieser infamen Drohung steckte! Die gestern Nachmittag ad hoc beschlossene Ausgangssperre für allein lebende Hündinnen und Welpen unter sechs Monaten konnte noch in den frühen Abendstunden aufgehoben werden. Auch die beiden Dobermänner Hans und Karl, die den Trafokasten wegen möglicher neuer Droh-Markierungen rund um die Uhr im Blick hielten, wurden abgezogen. Kurz: Unsere kleine Hundewelt ist wieder rund und geht ihren gewohnten Gang – Schlafen, abhängen, fressen, Gassirunde, schlafen, abhängen…

Ach so, Theo, jetzt willst du sicher noch erfahren, wer den ganzen Wirbel verursacht hat? Eigentlich schien uns von Anfang an klar zu sein, dass nur ein vergrätztes Katzenrudel hinter der Drohung stecken konnte. Die Zeichen sprachen aus unserer eingeschränkten Drei-Synapsen-Sicht eindeutig dafür: Die orthografischen Fehler, der hundeuntypische Geruch der Markierung sowie die niedrige Höhe ihrer Anbringung – sofern man Welpen ausschließen wollte. Nicht zuletzt musste die Drohung auch im Licht des Internationalen Katzentags betrachtet werden, der am 8. August stattfand und vielen Katzen ein (Gott sei Dank vorübergehendes) Gefühl des “Wir-Sind-Etwas-Ganz-Besonders” gab. Allein schon deshalb konnte nicht ausgeschlossen werden, dass hier ein paar linke Samtpfoten ihr Mütchen kühlen wollten, bevor sie wieder in der für Katzen angemessenen Rolle der Bedeutungslosigkeit versanken.

Nein, die Stubentiger standen nicht hinter diesem hinterhältigen, anonymen Pamphlet, Theo. Es war – und jetzt halt dich an deiner Leine fest – der dämliche Dackel aus unserer Nachbarschaft, dem die vielen Fellnasen mit Migrationshintergrund schon lange ein Dorn im Auge sind. Foster aus Brasilien, Pincho aus Katalonien, Spiky aus Good old England, du, Theo, aus Griechenland und nicht zuletzt ich, aus Andalusien eingewandert. Herausgekommen ist das alles, weil der feige Dackel seine Droh-Markierungen auch an anderen Stellen gesetzt hat und diese mindestens einmal versehentlich mit seinem Namen signierte. Dumm gelaufen, kann man da nur bellen. Zum Schluss fragst du dich sicher noch, wie er das mit dem für Hunde untypischen Geruch seiner Markierung geschafft hat? Er muss wochenlang Katzenfutter gefressen haben! Dies zumindest war das Ergebnis einer peinlichen Befragung, die Hans und Karl vergangene Nacht durchführten.

PS: Sollte dir in den nächsten Tagen ein Hund mit zusammengekniffenen Hinterläufen begegnen, dann handelt es sich um den ertappten Dackel. Ihm wurde für die nächsten vier Wochen die Benutzung öffentlicher Markierungsstellen untersagt.