STORY: Liebe auf Französisch

Theo, du glaubst es nicht, aber ich habe das Gefühl, dass ein Mädel hinter mir her ist. Vermutlich aus Frankreich, zumindest spricht ihr Akzent dafür. Ich frage mich nur, warum sie mich nicht direkt anbellt? Stattdessen postet sie ihre Nachricht für jederhund sichtbar an unseren Trafokasten! Echt peinlich, so was.Gestern Nachmittag kamen mir Spiky und Foster breit grinsend und übel feixend entgegen. Ich hatte keine Ahnung, was sie so erheiterte, bis ich schon von Weitem am Trafokasten die Markierung lesen konnte: “Isch libbe disch, Nachô!” Wusste gar nicht, dass Mädels genaus so schwungvoll wie wir markieren können. Du kannst dir sicher vorstellen, in welche Verlegenheit mich dieser Post brachte, Theo. Schließlich gehe ich mit Luna und wenn die das lesen sollte, ist Schichtende. Gott sei Dank hatte ich noch etwas im Tank, so dass ich die Markierung um ein “nicht” ergänzen konnte. Zufrieden, die Situation entspannt zu haben, schaute ich mir die Nachricht an, bis ich entsetzt feststellte, dass ich bei meiner Korrektur den französischen Akzent unberücksichtigt gelassen hatte. “Isch libbe disch nicht, Nachô!” stand nun unpassend und quer über den Trafokasten geschrieben. Na gut, dachte ich, für ein zusätzliches “s” bei “nicht” reicht es noch allemal. Gebellt – getan. Anschließend entfernte ich mich ein wenig von dem Kasten, um das Ganze von Weitem auf mich einwirken zu lassen. Zufrieden war ich noch immer nicht. “Isch libbe disch nischt, Nachô!” warf meines Erachtens immer noch zu viel Fragen auf. Vor allen Dingen für Luna. Dann hatte ich DEN Geistesblitz, Theo! Schnell ging ich ans Werk und nach einem kurzen Zwischentank ging ich endlich zufrieden nach Hause.

Ich hatte die ganze Angelegenheit schon lange vergessen, als mir Luna am nächsten Tag begegnete. Sie schaute mich an, als sei ich von einer Zecke gebissen worden und an Borelliose erkrankt. Als wir gemeinsam am Trafokasten eintrafen, wusste ich wieder warum. In großen Lettern prangte dort mein Satz: “Ischolibbeudischanischt, Nachô!” Egal. Besser sie hält mich für durchgeknallt, als dass sie mir wegen eines scharfen französischen Schnittchens die Hölle heiß macht.