STORY: Midlife-Crisis (Teil 1/3)

Theo, du glaubst es nicht, aber am 1. Dezember vollende ich mein 5. Lebensjahr und es fällt mir in diesem Jahr zum ersten Mal schwer, mich auf diesen Tag zu freuen. Fünf Jahre sind für einen Hund schon ein stolzes Alter. Das wurde mir besonders klar, nachdem ich irgendwo gelesen hatte, dass ein Hundejahr sieben Menschenjahren entspricht. Überleg mal, Theo, das bedeutet, dass ich als Mensch schon zwischen dreißig und vierzig Jahre alt wäre! Nun ist das allein genommen noch kein Thema, doch habe ich auch gelesen, dass ein erfolgreicher Rüde bis zu diesem Alter drei Dinge tun sollte: Eine Hütte bauen, einen Baum pflanzen und einen männlichen Welpen zeugen. Tja Theo, jetzt rate mal, welche Dinge ich mit einem eleganten Schlenker aus der Hüfte als erledigt markieren könnte!?

Habe ich eine Hütte gebaut? Nein. Die ersten vier Lebensjahre brachte ich als einsamer Wolf auf Andalusiens Straßen zu und seit etwa einem 3/4 Jahr schleppe ich meinen rapide alternden Kadaver durch die Doppelhüttenhälfte meines Leinenhalters. Kommen wir also zum zweiten Punkt. Habe ich einen Baum gepflanzt? Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich in meinem Leben viele Tausend Bäume gewässert habe, aber gepflanzt? Nein. Vielleicht habe ich mal irrtümlich einen Olivenkern gefressen, ihn Tage später irgendwo ausgeschieden und das Glück gehabt, dass sich dieser gut gedüngt zu einem prächtigen Olivenbaum entwickelte; aber zum einen weiß ich das nicht, zum anderen würde das nicht zählen. Kommen wir nun zum dritten und letzten Punkt. Habe ich einen männlichen Welpen gezeugt? Ha ha. Womit denn, wenn man kastriert ist?

Du siehst also, es gibt keinen Grund, mich auf meinen Geburtstag zu freuen. Es gibt eigentlich gar nichts mehr, worauf ich mich freuen könnte. Es sei denn, es wird noch rechtzeitig ein Preis für den Looser des Jahrhunderts ausgelobt – da hätte ich die besten Chancen.

PS: Finde mich auch sehr moppelig. Moppelig, alt und kastriert zu sein, törnt Weibchen nicht grad an. Und noch nicht einmal eine eigene Hütte. Ach Theo…

(Fortsetzung folgt.)

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