STORY: Midlife-Crisis (Teil 2/3)

Theo, du glaubst es nicht, aber nachdem ich dir gebloggt hatte, wie niedergeschlagen ich bin, hat mich eine Welle wohlmeinender und Mut machender Kommentare erfasst. Ihr Fazit: Rüden in meinem Alter müssen weder eine Hütte gebaut, noch einen Baum gepflanzt, geschweige denn einen Nachfolger gezeugt haben. Das sei in unserer aufgeklärten Welt kein Thema mehr. Ich solle einfach mein Ding machen.

Wie sieht denn mein Ding nun aus? Nachdem ich mich auf meiner Ranzdecke stundenlang hin- und hergewuchtet und meine drei Synapsen gequält habe, bin ich zu folgenden Erkenntnissen gelangt:

Zunächst einmal muss ich mein Umfeld freundlicher gestalten. Dazu gehört zum Beispiel eine flottere Hundedecke. Allein 23 Stunden des Tages auf dieses triste Braun zu starren macht ja schon depressiv. Es muss also etwas Bunteres her. Gerne auch mit einem aufgestickten Spruch, der mir rund um die Uhr den Sinn des Lebens deutlich macht, wobei mir “Born to be wild” oder “Atemlos durch die Nacht” etwas übertrieben vorkämen.

Gleichzeitig werde ich abspecken bis mir der tolle Sweater passt, den ich im Internet gesehen habe. Mit kleiner Kapuze und Wappenemblem, aber dennoch sehr sportlich. Soll bei Hundedamen wahnsinnig gut ankommen. Apropos Hundedame. Da muss jetzt was jüngeres her. Eine entsprechende Markierung an unserem Trafokasten könnte bei der Suche hilfreich sein: “Nacho, gut aussehend und im Herzen jung geblieben, sportlich, lässig, emanzipiert (trägt Mitverantwortung bei der Verhütung; kurz: kastriert), sucht blutjunge, unternehmungslustige Hundedame, die mit ihm schon bald die warme Hundedecke teilt und ihn auf seinen aufregenden Gassirunden begleitet. EIN Welpe kein Problem.”

Ich werde ab sofort auch meine Alterssicherung hintanstellen. Was soll ich mit einem Berg vergrabener Hundeknochen anfangen? Ich lebe im Hier und Jetzt! Abgesehen davon weiß ich schon am Abend nicht mehr, wo ich am Morgen was verbuddelt habe.

Übrigens scheint mein Alter auch so eine Art Lebenskrise gehabt zu haben. Er erfüllte sich nämlich im letzten Jahr mit dem Kauf einer alten Vespa einen Jugendtraum und macht seitdem Düsseldorfs Straßen noch unsicherer. Vielleicht kann ich ihn zu einem passenden Beiwagen überreden, um künftig mit ihm gemeinsam auf Rollertour zu gehen. Wenn ich ihn mit verwegener Fliegerbrille und wehenden Schlappohren über die Königsallee begleite, liegt uns die Damenwelt bestimmt zu Pfoten.

(Fortsetzung folgt.)

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