STORY: Mit der U-Bahn zur Schule

Nacho
Meine prall gefüllte Schultüte

Theo, du glaubst es nicht, aber so sehr wie ich mich auf meinen 6. Geburtstag am 1. Dezember gefreut habe, so sehr lastet schon heute der damit verbundene neue Lebensabschnitt auf mir, der mit meiner Einschulung im kommenden Jahr beginnt. Wie ich erfahren habe, nennt man diese Phase auch den “Ernst des Lebens” – als ob ich meine bisherige Zeit in einem Freizeitpark verbracht hätte. Das einzige Highlight, das mich in diesem Zusammenhang erwartet, ist die Schultüte, die der Leinenhalter bis über die Oberkante mit erlesenen Leckerchen füllen wird. In der Beziehung lässt sich der Alte nicht lumpen. Schon wegen der Nachbarn. Die allerdings nicht wissen, dass die Schultüte bis knapp unter die Oberkante mit zusammengeknülltem Zeitungspapier gestopft wird.

Schulkinder
So süß. wie die aussehen, sind die gar nicht…
(Urheber: wavebreakmediamicro / 123RF Lizenzfreie Bilder)

Aber von dieser getürkt zu nennenden Schultüte abgesehen, legt sich schon jetzt ein lähmender Schatten auf mein unglückliches Fell. Weißt du, wie schwer es mir fallen wird, morgens früh meine heiß geliebte und bettwarme Hundedecke zu verlassen, nur um mich anschließend in eine überfüllte, stickige U-Bahn zu zwängen und gemeinsam mit schubsenden, lärmenden und raufenden Kindern zur Hundeschule zu fahren?

Ebenso macht sich bei mir schon Panik breit, wenn ich an den Halteknopf denke, der für mich ebenso unerreichbar ist, wie der ohnehin völlig unverständliche Fahrkartenautomat. Das heißt, ich sehe nicht nur schwarz, was meine nahe Zukunft betrifft, sondern ich fahre auch noch schwarz und zwar so lang, bis mir schwarz vor Augen wird. Dunkler kann die Zukunft gar nicht sein, Theo!

Monitor
Meine zwei Synapsen auf Speed
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Zu schlechter Letzt befürchte ich auch, dass meine zwei Synapsen mit dem Unterrichtsstoff völlig überfordert sind. Sie werden schon am ersten Schultag nach einem kurzen Aufflackern in sich zusammenfallen wie die Herzstromkurve auf dem Überwachungsmonitor einer Intensivstation.

Zwick mich mal virtuell, Theo! Du glaubst es nicht, aber ich habe gerade ein Déjà-vu-Erlebnis, also das Gefühl, dies alles schon einmal erlebt zu haben! Natürlich, Theo! Es heißt doch immer, dass ein Hundejahr wie sieben Menschenjahre zählt. Das bedeutet, dass ich jetzt 6 mal 7 Jahre, also 45 bin und dass meine Schulzeit schon lange hinter mir liegt!


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