STORY: Neue Terrasse? Nur über meine Leiche! Aufruf zum zivilen Ungehorsam

Nacho auf der Terrasse
Den halben Sommer habe ich hier gedöst

Theo, du glaubst es nicht, aber ich ich bin sowas von in Rage! Würde ich mich nicht dem Verdacht der Tollwut aussetzen – ich könnte schäumen vor Wut! Erst denkt man, dass das Paradies schon auf Erden anbricht. Dann aber taucht der Alte wie ein Höllenhund auf, um das kleine Pflänzchen Hoffnung bereits im Ansatz wieder zu zerstören. Du willst wissen, welche Zecke mir über die Nieren gelaufen ist? Also gut, dann von Anfang an:

Seit einigen Wochen umweht unsere Terrasse ein Geruch, der sich aus einem Mix feinherber Pflanzenreste und einer Spur verendeter Nagetiere zusammensetzt. Dazu noch lederige Nuancen verrottenden Holzes. Die Herkunft der köstlichen Ausdünstungen war zunächst unklar, habe ich doch den halben Sommer hier dösend verbracht, ohne dass mir etwas aufgefallen wäre. Dann aber sah ich es. Das Loch. Das große Loch in den Holzdielen, dem die Duftschwaden entströmten.

Morsche Diele
Das Loch in der morschen Terrasse

Ich steckte meine Nase hinein und füllte meine Lunge mit der süßlich modrigen Luft. Anschließend nahm ich ein Duftbad, indem ich mit den Vorderläufen einknickte und mit der Schnauze beginnend bis zum Bauch über die Öffnung robbte. Wie im Rausch wiederholte ich dieses Spiel und wechselte lediglich die Stellung: Mal auf der linken Seite, mal auf der rechten Seite liegend zog und schob ich mich über diese Art Himmelspforte. Zu guter Letzt erhob ich mich, um das Loch mit einem leichten Hüftschwung zu markieren: „Für immer meins!“

Ein paar Tage später dann der Schock. Ich hörte wie der Alte Frauchen anbellte, dass die Holzterrasse morsch sei und einer dringenden Erneuerung bedürfe. Vor meinen Augen zerplatzte das nächste Duftbad wie eine Seifenblase. Doch inzwischen weiß ich mich zur Wehr zu setzen: Ich werde eine Sitzblockade starten, um so den Abriss der Terrasse zu verhindern. Wenn mich der Alte dann wegtragen will, werde ich mich gegen die Dielen drücken, um mich schwerer zu machen. Zur Not kette ich mich mit meiner Leine an. Doch vorher werde ich noch ein paar Markierungen absetzen und Mitstreiter zum zivilen Ungehorsam auffordern: „Lasst uns die Terrasse retten und uns an die Bohlen ketten!” und „Soll die Terrasse wirklich weichen, so geht’s nur über unsre Leichen!” Es reicht, dass die Zweibeiner aus dem Paradies vertrieben wurden. Dass mir das ebenfalls passiert, weiß ich zu verhindern!


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