STORY: Pappa ante Portas

Theo, du glaubst es nicht, aber es senkt sich ein dunkler Schatten über meine sonst so wohlige und kuschelige Hundedecke und lässt mich erschauern, wenn ich an die nächsten Wochen denke. Es wird große Veränderungen in unserer bis dato so beschaulichen Hütte geben, deren Auswirkungen ich mit meinen drei Synapsen nicht abzuschätzen vermag. Du denkst jetzt sicher, dass uns etwas ganz Furchtbares ins Haus steht, Theo? Dazu kann ich nur zwei Worte bellen: “Dem. Ist. So.” Und warum?, höre ich dich fragen. Nun, die Antwort ist: Weil der Alte in den vorzeitigen Ruhestand geht. That’s a fact.

Natürlich tut es mir leid, dass er diesen Schritt aus gesundheitlichen Gründen gehen muss. Ich bin ja kein Unhund. Trotzdem ist mir das eigene Fell näher als ein Hundejäckchen. Denn ab September ist für mich Schluss mit lustig. Nichts mehr mit locker vom Hocker. Es heißt dann mit anpacken, so wie ich den Alten kenne! Da werde ich meine Hundedecke morgens selbst auf Kante legen und das Kissen aufschütteln müssen. Aber nicht, um gleich darauf wieder abzuhängen. Nein, das sind lediglich Vorbereitungen für die nächste Nacht und Mann hat es halt gerne ordentlich! Nach dem Frühstück und der morgendlichen Zeitungslektüre wird der Alte Prospekte und Beilagen auf Sonderangebote durchforsten und den täglichen Einkauf starten, auf dem ich ihn mit einer albernen Umhängetasche begleiten soll.

Was ich künftig noch bloggen darf, wird mir der Leinenhalter direkt in die Pfoten diktieren: “So bringen Sie Ihrer Töle die Flötentöne bei!”, “Abhängen war gestern – ab heute pariert Ihr Müßiggänger!”, “Männchen machen auf Kommando”, “Sicher auf der Leiter: Wie Ihr Hund bei der Fensterreinigung helfen kann!”.

Doch es gibt noch einen kleinen Funken Hoffnung, Theo. Wir Hunde haben ja ein sehr feines Gespür und dieses Gespür flüstert mir, dass auch Frauchen die Götterdämmerung heraufziehen sieht. Wenn ich mich nun ab sofort auf ihre Seite schlage, könnten wir gemeinsam Front machen, wenn es im September heißt: Pappa ante Portas.