STORY: Rangelei mit schweren Folgen Wenn die Klügeren nachgeben

Theo, du glaubst es nicht, aber neulich gab es in unserer Hütte eine richtige Rangelei, fast schon eine körperliche Auseinandersetzung. Jetzt bist du sicher baff. Ja, nach außen vermitteln wir stets den Eindruck eines perfekten Rudels. Aber innerhalb des Rudels gibt manchmal ein Gebell das andere und dann kann die Pfote schnell mal locker sitzen.

Napf
Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung

Alles fing damit an, als mir nach jahrelanger Beobachtung bewusst wurde, dass mein Fressnapf immer nur dann gefüllt wird, wenn der Alte zufällig am Napf vorbeikommt. Das ist in der Regel morgens und abends der Fall. Was, so fragte ich mich, passiert wohl, wenn er auch im Laufe des Tages wiederholt auf den leeren Napf stößt? Berechenbar, wie die Zweibeiner nun mal sind, gab es für mich auf diese Frage nur eine Antwort: Der Napf wird jedesmal aufs Neue gefüllt!

Napf mitten in der Küche
Der leere Napf zentral, aber nicht fordernd, platziert

Gebellt – getan. In einem unbeobachteten Augenblick zog ich den leeren Napf von seinem angestammten Platz in der Küche (Randlage), circa einen Meter von der Wand weg, um ihn etwas zentraler, aber dennoch nicht fordernd, zu platzieren. Es dauerte keine fünf Minuten, bis Frauchen geschäftig durch die Küche eilte und im Vorübergehen den Napf in seine alte Randlage beförderte. Nun gut, ich nahm den Fehdehandschuh auf. Dieses Mal schob ich den Napf mit der Schnauze quer über den gefliesten Boden, bis er scheppernd in der Mitte unserer Küche zu stehen kam. Nur einen kurzen Augenblick später kam der Alte, schüttelte verwundert seinen Kopf und kickte den Napf mit seinem Fuß zurück an die Wand.

Auslöser der Rangelei
Der Napf ist ja nun wirklich nicht zu übersehen!

Jetzt war mein Kampfgeist (oder war es der Spieltrieb?) geweckt. Unermüdlich schob ich den leeren Napf durchs gesamte Erdgeschoss, so dass er mal vor dem Fernseher, mal auf dem Sofa oder im Lieblingssessel vom Alten auftauchte. Dann fand er sich im Kühlschrank, auf dem Klavier und vor dem Gäste-WC. Anfangs fanden meine Leinenhalter das lustig und beklatschten die vermeintlichen Kunststückchen. Doch plötzlich kippte die Stimmung. „Genug ist genug!“, bellte der Alte, schnappte ebenso wie ich nach dem Napf, zog und zerrte ebenso wie ich an ihm, bis wir beide gleichzeitig als die Klügeren nachgaben. Der irdene Napf krachte erst auf den Boden und anschließend entzwei.

Danach herrschte Totenstille und da die Schuldfrage nicht mit letzter Sicherheit zu klären war, gehen wir uns bis auf Weiteres aus dem Weg.


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