STORY: Schiffshund Nacho Ahoy!

Theo, du glaubst es nicht, aber oft liege ich stundenlang auf meiner verlausten Hundedecke und denke über meine Vorfahren nach. Auslöser dafür war mein Leinenhalter, der bei unserem letzten Urlaub das Flößer- und Schiffermuseum in Kamp-Bornhofen besuchte. (Du musst dazu wissen, dass – soweit bekannt – alle seine Vorfahren mütterlicherseits am Mittelrhein gelebt und als Schiffer diesen und andere Flüsse befahren haben.) Eigentlich habe ich es mit Museen ja gar nicht so. Als ich jedoch merkte, wie gerührt der Alte beim Anblick von ausgestellten Schiffsmodellen war, die seine Vorfahren gebaut hatten, musste ich ebenfalls schlucken. Dieses Bild geht mir trotz meines Kurzzeitgedächtnisses nicht mehr aus dem Kopf und ist Anlass dafür, dass ich jetzt selbst gerne wissen würde, wer mir im gleichen Fell vorangegangen ist.

Doch so sehr ich meine drei Synapsen auch quäle, es will mir einfach nicht in den Sinn kommen. Weder weiß ich, wer meine Erzeuger waren, noch kann ich mich erinnern, wo ich die ersten Lebensmonate verbracht habe. Dieses Kurzzeitgedächtnis, über das wir Hunde lediglich verfügen, erweist sich immer wieder als großes Handicap! Wenn ich mich beispielsweise über etwas ärgere, zieht mich der Alte regelmäßig damit auf, dass mein ganzes Gebell und Rumgehopse sinnlos sei. Ich wüsste doch schon nach zehn Sekunden nicht mehr, was der Auslöser meiner Aufregung war! Hätte ich schon damals gebloggt, könnte ich zumindest im Nachhinein vieles nachlesen und mein Gedächtnis regelmäßig auffrischen. Aber so verschwindet bei mir schon nach wenigen Minuten alles in einem großen schwarzen Loch.

Positiv daran ist allerdings, dass dies viel Raum für Spekulationen lässt. So weiß ich, dass die Großeltern des Alten einen Hund hatten, der ebenfalls mit auf dem Schiff lebte. (Ist übrigens interessant, Theo, dass sich uns wirklich wichtige Dinge doch über einen längeren Zeitraum einprägen!) Ein weißer Spitz und sein Name war – jetzt halt dich gut an der Leine fest – Stroppi! Stell dir mal vor, ein Hund würde heute Stroppi heißen! Der würde doch zum Gespött der ganzen Nachbarschaft! Stroppi, ich lach mich weg!

Jetzt aber wieder zurück zu meiner Überlegung. Könnte es nicht sein, dass dieser Stroppi ein ganz früher Vorfahre von mir war? Dessen Nachkommen irgendwann nach Andalusien auswanderten? Und die mich am Ende einer langen Kette von Generationen schließlich in diese Welt warfen? Nein, das scheint selbst mir etwas weit hergeholt. Vielleicht mache ich mir da zu viel Gedanken. Was wäre denn Theo, wenn ich einfach in Stroppis Rolle schlüpfen würde? Überwiegend weiß bin ich auch und allein die Rührung des Alten wäre es schon wert. Und ich könnte die Tradition des Schiffshunds fortsetzen. Ahoi!