STORY: Schluss mit dem Gebell!

Theo, du glaubst es nicht, aber dieses ständige Gebell der Menschen geht mir manchmal tierisch auf den Senkel. Du verstehst ja sowieso nicht, was sie wollen. Bei uns fängt das schon in aller Herrgottsfrühe an. Ich liege noch wie hingegossen auf meiner Hundedecke, träume von den in den Sand gesetzten 12.500.000 Rinderknochen und plötzlich stehen die Alten vor mir und bellen mich an. Ich schaue sie zwar jedesmal gelangweilt mit einem “Häh? Is was?” auf den Lefzen an, aber solche Winks mit dem Holzpfosten verstehen sie einfach nicht.

Wenn du als Hund denkst, dass sie wenigstens beim Fressen schweigen, irrst du dich gewaltig. Während uns schon als Welpen gepredigt wurde, nicht mit vollem Maul zu sprechen, sitzen sich die Alten gegenüber und bellen sich wechselseitig an. Kein Wunder, dass sich ihr Fressen über Stunden hinzieht, während unsereins wie bestellt und nicht abgeholt daneben sitzt. Wenn sie wenigstens etwas abgäben, um uns die Wartezeit zu verkürzen, aber Hundekuchen. Da meinen sie dann, konsequent bleiben zu müssen.

Besonders schlimm ist es aber, wenn die Alten Besuch haben. Vor lauter Gebell verstehst du dein eigenes Wort nicht mehr, Theo. Ich gehe dann schon mal mit einem lauten “Ruhe jetzt! Es kann immer nur einer sprechen!” dazwischen, aber sofort werde ich von allen Seiten niedergebellt. Irgendwann bin ich so genervt, dass ich mein Fell eine Etage höher schleppe, um mich dort auf meinem Zweit- oder Drittlager auszustrecken.

Aber weißt du, was seltsam ist, Theo? So sehr mir diese ständige Bellerei auch auf den Hundekeks geht, so denke ich doch manchmal voller Wehmut, wie es sein wird, wenn sie eines Tages nicht mehr bellen. Ich meine, so ein Menschenleben währt ja nicht ewig, und spätestens, wenn sie von mir gegangen sind, werde ich ihr Gebell vermissen.

Du fragst dich, was mit uns in ferner Zukunft sein wird? Nichts, Theo. Soweit ich mit meinem 3-Synapsen-Gehirn zurückdenken kann: Ich war schon immer da. Und warum sollte ich dann auf einmal weg sein? Bist schon ein komischer Vogel, Theo!

PS: Stell’ dir vor, Theo: Gestern erreichte mich ein Päckchen von den beiden Hunden Djuma und Maki. Darin befand sich bestes, getrocknetes Rinderfleisch – als Entschädigung für die den Bach heruntergegangenen Rinderknochen! Ich war zum ersten Mal richtig gerührt!

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