STORY: Versagensängste eines Hundemanns

Theo, du glaubst es nicht, aber mein kleiner Hintern geht auf Grundeis, wenn ich nur daran denke, dass sich meine Freundin Luna fürs nächste Wochenende angekündigt hat. Überraschenderweise war das gar kein Problem für meinen Alten. Im Gegenteil. Er meinte nur, dass ich dann endlich auf andere Gedanken käme und Dinge täte, die im Gegensatz zum Bloggen und Posten artgerecht seien. Dabei grinste er so eindeutig zweideutig, dass ich ihm am liebsten mit meiner langen Zunge über die Kehle gefahren wäre.

Einerseits freue ich mich ja auch auf Luna. Sie ist eine junge und äußerst attraktive Hundedame. Andererseits kommt sie mit gewissen Erwartungen, denen ich nicht gewachsen bin, denn das ist die eigentliche Krux an der ansonsten willkommenen Abwechslung: Sie bleibt über Nacht! Und du weißt doch selbst, wie das ist, Theo! Du und ich, wir sind zwei eingefleischte Junggesellen, denen ein geregelter Tages- und Nachtablauf über alles geht. So weiß ich beispielsweise, dass ich mich auf meiner Hundedecke extrem breit mache, sehr unruhig schlafe und oft schnarche. Also nichts, was Luna auf irgendeine Weise antörnen könnte. Dazu kommt, dass ich mich auch mal gerne ganz ungezwungen in unserer Hütte bewege. Dann lege ich mein Pyjama-Fell ab und schleiche – so wie der Herr mich geschaffen hat – durch die Zimmer, leg mich mal hier und mal dort auf den Boden, schaue, was die Küche zu bieten hat und lasse den lieben Gott einen guten Hund sein. Mit Luna im Gepäck undenkbar.

Doch das Schlimmste kommt noch. Denn mal ganz unter uns Kastraten, Theo. Mehr als Schnuppern und Kuscheln ist sowieso nicht drin und ob Luna das reicht, bezweifele ich sehr, zumal sie schon vor Wochen gefragt hat, wer von uns beiden im Ernstfall verhütet. Bisher konnte ich das ganze Thema mit zusammengekniffenen Hinterläufen geschickt umgehen, aber wenn Luna meine große Schwachstelle entdeckt und an die große Glocke hängt, bin ich für alle Rutengänger ‘ne Lachnummer. Nein, Theo, da schütze ich besser Kopfschmerzen vor oder belle ihr, dass ich mich unpässlich fühle. Noch besser: Ich erkläre ihr einfach, dass mein großes Feuer der Liebe bis auf Weiteres auf Sparflamme brennt.