STORY: Vom TIME Magazine zum Dschungelcamp

Theo, du glaubst es nicht, aber seitdem ich mich mit dem Liebster Award schmücken darf, dreht der Alte zu Hause am Rad. War ihm das noch bis vor wenigen Tagen ein Dorn im Auge, wenn ich betont lässig mit einer Pfote mein Notebook aufklappte, so lächelt er mich seit meiner Nominierung ständig wie blöde an und fragt gefühlte 100 mal am Tag augenzwinkernd: “Na, mein kleines Glücksschwein, heute schon gebloggt?”

Schätze, dass mein Leinenhalter mit fetter Kohle rechnet, seit er von meinem Award erfahren hat. So bekam ich gestern Abend zufällig mit, wie der Alte zu Frauchen meinte, dass man mich jetzt bei Laune halten und mich und meine Bloggerei gezielt vermarkten müsse – dann würde in Kürze der Rubel rollen. In diesem Sinne wolle er jetzt alle Hebel ziehen: Presseinterviews, Home-Stories im Goldenen Blatt, Dichterlesungen in Büchereien und Buchhandlungen, Auftritte (mit und ohne Hund) in Funk und Fernsehen.

Das alles will ich nicht, Theo. Ich bin ein stolzer Ratonero Bodeguero Andaluz – weder Glücksschweinchen noch Rampensau. Stell’ dir nur mal vor: Ich mit dickem Winterfell im gleißenden Scheinwerferlicht überheizter TV-Studios! Bei Günther Jauch schon an der ersten Frage scheiternd: “Was ist eine Wurst minus eine Wurst?”
a) Leberwurst b) Mettwurst
c) Blutwurst. d) Keinewurst

Auf dem Höhepunkt meines kurzen Hundelebens dann in Konkurrenz zu Angela Merkel auf dem Titelbild des TIME Magazines. Wenn ich Pech habe, zum Gespött meiner Rasse als süßester Hund des Jahres! Und danach beginnt dann der unaufhaltsame Abstieg bis ich mit anderen C-Promis im Dschungelcamp Maden und Hühnerfüße um die Wette fresse. “Ich bin ein Star, holt mich hier raus!” Da dreht sich selbst mir der Magen um, wenn ich nur daran denke. Hätte ich gewusst, was ich mir mit dem Liebster Award alles einbrocke, wäre meine dankende Ablehnung schon bei der Nominierung sicher gewesen.


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