STORY: Was guckst du? Bin ich Kino? Oder was?

Theo, du glaubst es nicht, aber manchmal frage ich mich echt, wer oder was bin ich eigentlich? Ob ich nun faul auf meiner verlausten Hundedecke liege oder emsig mein Fell durchs Haus trage. Ob ich draußen gedankenverloren unter dem Hortensienstrauch abhänge oder aktiv Haus und Garten gegen Eindringlinge aller Art verteidige: Ich fühle mich permanent beobachtet! Bin ich Kino? Oder was?

Du kannst dir nicht vorstellen, was mir das auf den Senkel geht: “Guck mal schnell, was Nacho da macht!”. “Och, ist das köstlich!”. “Hast du gesehen, wie komisch der da liegt?”. “Was macht der denn jetzt?”. “Sieht aus, als träumt er gerade.”. “Ist das himmlisch!”. Da kommst du dir doch vor wie Hein Blöd in der Knallgasse! Manchmal versuche ich, diese dämlichen Gaffer mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, indem ich sie ebenfalls minutenlang anstarre, aber meist geht der Schuss nach hinten los. “Guck mal wie der guckt! Was in dem kleinen 3-Synapsen-Gehirn jetzt wohl vorgeht?”. “Man weiß es nicht. Aber er sieht so süß aus!”. Ich, ein stolzer Ratonero Bodeguero Andaluz mit Migrationshintergrund, sehe nicht süß aus! Niemals.

Auch nicht, wenn es so wie gestern Abend ein Gewitter gibt. Und ich mich in die hinterste Ecke verziehe, um mich dort auf einen Berg Schuhe zu legen. Und selbst wenn ich meine Schnauze in einen der Schuhe stecke. DAS. SIEHT. NICHT. SÜSS. AUS! NIEMALS! Das hat auch nichts mit Angst zu tun. So etwas nennt sich “Objektschutz (und) gewährleistet die Sicherheit von Objekten durch Bewachung.” (Wikipedia) Kommt es bei einer etwaigen Naturkatastrophe mal hart auf hart, soll sich unser Rudel darauf verlassen können, dass ich “die Beeinträchtigung der Funktion, die Zerstörung oder die Inbesitznahme eines Objektes (bzw. dieser Schuhe) durch Störer, Kriminelle oder Feinde verhindere.” (a.a.O.)

Das ist also nicht süß. Das ist mein Job im Ernstfall. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.