STORY: Wunschzettel – Socken! Mixer! Hund!?

Nacho
Ich bin doch kein Weihnachtsgeschenk!

Theo, du glaubst es nicht, aber zu Beginn eines jeden Jahres sind Tausende Tiere gezwungen, ihre neuen Hütten wieder zu verlassen, die sie nur wenige Tage oder Wochen zuvor als Weihnachtsgeschenk mit Schleife bezogen haben. Sie landen dann oft in großen, überfüllten Gemeinschaftsunterkünften, die die Zweibeiner Tierheime nennen oder – noch schlimmer – sie werden einfach irgendwo ausgesetzt und sich napflos selbst überlassen.

Für uns Fellnasen ist es mit dem Selbstbestimmungsrecht sowieso nicht weit her. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich immer eine flotte Mitdreißigerin (Modell: Almased) als Leinenhalterin bevorzugen, bevor ich bei einem dickbäuchigen Herrchen lande, das sich im Sommer mit Netzunterhemd, kurzen Hosen, Sandalen und Socken einmal mit mir um den Block schleppt. Aber als Geschenk auf einem völlig unbekannten Gabentisch zu liegen und bereits zu spüren, dass hund von mindestens einem Rudelmitglied abgelehnt oder höchstens geduldet wird, lässt mir das Herz ins Unterfell rutschen.

Abgesehen davon, dass sich alle Rudelmitglieder über die Anschaffung eines Hundes einig sein müssen, ist es mit Heilig Abend ja auch nicht getan. Hast du als Fellnase nämlich die erste Nacht mehr schlecht als recht in der fremden Hütte überstanden, kämpfst du am nächsten Tag mit Herzrasen, weil sich das bis gestern noch vierköpfige Rudel verdreifacht hat. Alle wollen dich sehen, streicheln und gleichzeitig Sitz-Platz-Komm-Geh machen lassen. Schon nach fünf qualvollen Minuten dreht sich der Napf vor deinen Augen und du weißt nicht mehr, wer zu deinem neuen Rudel gehört und nach wem du schnappen sollst. Dies stellt sich erst zwei Tage später heraus, wenn die lärmende Meute die Hütte verlassen hat und Frauchen mit verbundener Vorderpfote herumläuft.

Feuerwerk
Apocalypse Now*

Dann heißt es, ein paar Mal kräftig durchzuatmen, bevor die friedliche Stille von einem lauten Knall zerrissen wird. Danach herrscht wieder Weihnachtsfrieden – denkst du. Doch das, was deine lärmempfindlichen Ohren vernommen haben, war nur das Vorgeplänkel. Täglich steigert sich das Gerumse, bis es in der letzten Nacht des Jahres in einer nicht enden wollenden Apokalypse gipfelt. Ganz egal, wohin du dich verkriechst: Blitz und Donner verfolgen dich bis in den hintersten Winkel der dir immer noch weitgehend unbekannten Hütte. Das alles ist kein Napfschlecken für uns Fellnasen. Noch nicht einmal für so routinierte Vierbeiner wie mich, der zwar Doppelhüttenhälfte und Rudelmitglieder inzwischen wie seine Backentaschen kennt, der aber an diesem Tag, den die Menschen Silvester nennen, vor Angst kaum weiß, wo er im Freien seine Markierung setzen soll.

Ich bin noch im Nachhinein froh, dass ich erst im zeitigen Frühjahr zu meinem neuen Rudel stieß. Der Alte hatte sich extra Urlaub genommen und ich hatte Zeit und Ruhe satt, mich an die seltsamen Sitten und Gebräuche zu gewöhnen. Bei der Gelegenheit: Ich frage mich ja bis heute, wo meine Rudelmitglieder ihre kleinen und großen Geschäfte verrichten!?

* (Urheber: jvdwolf / 123RF Lizenzfreie Bilder)


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