STORY: Zum Dinner ein Meerschweinchen

Theo, du glaubst, es nicht, aber der Alte kann es nicht lassen; er kann es einfach nicht lassen! Immer wieder bricht er das Brief- und Postgeheimnis und steckt seine trockene, kranke Nase in mein Weblog. Ich hab’ echt sooo eine Krawatte!

Schon die ganzen letzten Tage habe ich im Urin gespürt, dass etwas in ihm köchelt. Es gab kaum noch verbale Kommunikation zwischen uns, nur knapp formulierte Befehle wie “Sitz!”, “Halt’s Maul!” oder “Räum’ auf!”. (Sein “Ach, da ist ja mein süßer, kleiner Schisser” habe ich allerdings auch nicht vermisst. Dies in Gegenwart feixender Fellnasen zu hören, lässt mich ohnehin regelmäßig im Boden versinken.) Was mich dann zusätzlich immer wieder nervt, ist, dass hund lange nicht weiß, welche Zecke dem Alten über die Leber gelaufen ist. Bei so einem Konfliktverhalten könnte ich regelmäßig unter die (Hunde-)Decke gehen! Du weißt, ich bin da mehr für klare Kante zeigen und gut ist.

Jetzt habe ich wieder viel zu viel rumgeknurrt. Fakt ist, der Alte säuert, weil er meine Frauengeschichten mitverfolgt hat. Diese meine Schattenseite kenne er noch gar nicht! Wer weiß, was ich ihm da eines Tages ins Haus schleppe! Ich würde seinen bis dahin guten Ruf schädigen! Und so weiter und so fort. Ich habe das Gewitter auf meiner Decke liegend über mich hinwegziehen lassen und nur gedacht: ‘Komm’ runter, Alter. Denk’ an deinen Bluthochdruck!’. Doch so schnell beruhigte sich mein Leinenhalter dieses Mal nicht. Vielmehr meinte er, dass uns beiden eine gewisse Auszeit ganz gut tun könnte. Statt gemeinsam mit der Familie in Urlaub zu fahren, hätte ich dann ausreichend Gelegenheit, über mein Verhalten in letzter Zeit nachzudenken.

Das versetzte meinem kleinen Hundeherz einen bösen Schlag! Ich, ein stolzer Ratonero Bodeguero Andaluz – aus dem inneren Kreis der Familie verstoßen! Schon sah ich mich einsam und allein durch das große, leere Haus ziehen. Wo sonst das muntere Reden und fröhliche Lachen der anderen zu hören ist: nur noch betretene Stille. Lediglich unterbrochen vom kratzenden Geräusch meiner Pfoten, die mich rastlos und traurig über die Steinfliesen tragen. Unfähig auch nur den Wasserhahn oder die Kühlschranktür zu öffnen. Ich, ohne meine Familie, zum Sterben verdammt.

Doch dann spitzte ich meine Ohren! Hatte ich richtig gehört? Ich darf zwar zur Strafe nicht mit in den Urlaub, aber ich komme bis zur Rückkehr meiner Lieben bei den Nachbarn zur Pflege unter? Bei den Nachbarn, deren kleine Rangen diese munteren Meerschweinchen durchfüttern? Das würde mir ja ganz neue Möglichkeiten eröffnen, Theo! So nahe bin ich den kleinen Saftbraten ja noch nie gekommen! Und mit ihren knapp 37 Grad Körpertemperatur wären sie genau der richtige Snack an einem heißen Sommertag! Nicht zu warm und nicht zu kalt. Zum Nachspülen noch einen Napf stilles Wasser: Köstlich!


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